Leben auf Ikaria

20 Pullover, 18 Hosen und gefühlte 100 Paar Schuhe – nein, bei mir waren es, aufgrund meines Hallux valgus, Handtaschen. Ein Haus von fast 200 qm. Jeden Tag neue „Inspirationen“ aus Schaufenstern, Werbeeinblendungen in den verschiedenen Medien und bei anderen Damen meines Alters zu sehen, das war bis vor einigen Jahren die „Nahrung“, die mich, na ja vielleicht nicht glücklich, aber zumindest zufrieden machte. „Es muss da doch noch mehr geben“. „Was mehr?“, fragte ich mich.

Ein alter Mann sagte einmal zu mir: „Sie ist wie eine schöne unbekannte Frau.“ Sie – im Griechischen spricht man liebevoll von ihr, Ikaria ist weiblich. „Zuerst erscheint sie einem abweisend und unnahbar, aber macht man sich die Mühe auf sie zuzugehen, wird man erst ihrer unglaublichen wilden Schönheit gewahr und erliegt sofort ihren Reizen!“

War das eine Aufregung in den vergangenen Tagen! Seit dem Sommer wohnen wir nun in unserem neuen Zuhause in Agios Dimitrios. Hier haben wir ein kleines Häuschen, mitten in der Natur, gekauft. Ich hatte schon viel über die enge Gemeinschaft gerade in diesem Ort gehört. Auch das war ein Grund dafür, warum wir uns gerade für diesen Ort entschieden haben. Es war uns wichtig aus der Anonymität, die wir oftmals in Deutschland erlebt haben, auszubrechen.

Im August 2015 kamen wir in dem kleinen Fischerdorf Gialiskari auf der Insel Ikaria an. Unser Auto und Anhänger waren vollgepackt mit den Dingen, von denen wir glaubten, sie seien das Nötigste, was wir für unser neues Leben brauchten.