Der Klang der Einfachheit

Ich möchte von einer Geschichte erzählen, die ich in einem Buch des begnadeten Geschichtenerzählers und Philosophen Bhagwan Shree Rajneesh gelesen habe. Sie hat mich sehr an meine Erlebnisse in der letzten Zeit erinnert, seit ich aus Deutschland nach Griechenland umgezogen bin.

 

Es geht um eine Frau in Japan, die sich Rengetsu nannte. Sie war auf einer Pilgerreise und kam bei Sonnenuntergang in ein Dorf, wo sie um Unterkunft bat. Da sie eine Zen-Buddhistin war, schlugen ihr die Dorfbewohner die Tür vor der Nase zu, denn sie waren gegen Zen eingestellt. Die Nacht war kalt und die arme Frau ohne Bleibe, und so musste sie unter einem Kirschbaum übernachten. Es war wirklich sehr kalt und auch gefährlich. Es gab viele wilde Tiere in der Gegend, denen sie sich schutzlos ausgeliefert sah. Mitten in der Nacht wachte sie auf. Sie fror ganz furchtbar. Doch dann erblickte sie über sich im Nachthimmel die vollends geöffneten Kirschblüten, die im weichen Mondlicht leuchteten. Überwältigt von so viel Schönheit stand sie auf und sprach in Richtung des Dorfes:

„Liebe Menschen, die ihr mir die Unterkunft verwehrt habt, ich danke euch dafür.

Denn so fand ich mich unter leuchtenden Blüten wieder in einer wundervollen Mondnacht.“

In dieser Einfachheit fand sie ihr Glück und war dem Schicksal dankbar.

Unser "ganzes" Hab und Gut.
Unser "ganzes" Hab und Gut.

Diese kleine Geschichte erinnert mich an einen Freitagabend im August 2015, an dem ich mit meinem Mann, unserem Sohn und unserem Hund in dem kleinen Dorf Gialiskari auf der griechischen Insel Ikaria ankam. Unser Auto und Anhänger waren vollgepackt mit den Dingen, von denen wir glaubten, sie seien das Nötigste, was wir für unser neues Leben brauchten. Natürlich hatte ich auch meine Klangschalen mitgenommen. Unser Ziel war es, die Einfachheit des Lebens auf dieser kleinen, wunderschönen Insel neu zu erfahren. Von unserem recht großen Haus in Deutschland mit all seinem Komfort wollten wir uns auf zwei kleine Apartments mit jeweils 25qm beschränken. Man versprach uns, sie seien voll ausgestattet mit allem, was man zum Leben braucht. Als wir nach mehreren Tagen der Reise endlich ankamen, wurde uns zaghaft mitgeteilt, dass für die nächsten Wochen nur ein Apartment bereitstehen würde und auch die Ausstattung wie Teller, Gabeln, Löffel usw. nicht vorhanden wäre.

Schon hier erkannten wir, dass das, was wir unter dem „Lebensnotwendigsten“ verstehen, etwas anderes ist als dass, was die Ikarioten darunter verstehen.

SoundWorld, Niko Avramidis, Einfachheit

Vom Himmel auf die Erde gestürzt, ganz wie Ikarus!

 

So standen wir nun da, mit unseren Säcken und Koffern, deren Inhalt uns ein wenig Zuhause in der Fremde schaffen sollte. Das „Zuhause“ blieb zunächst verhüllt in den entsprechenden Behältnissen, was unsere Stimmung nicht unbedingt zum Besseren wendete. Meine Klangschalen lagen in einem Koffer auf dem Balkon, da im Haus kein Platz mehr war. Mein erster Impuls war: Ich will nach Hause, auf meine Couch, vor meinen Fernseher, unter meine Decke!

Nach dem ersten Schock entschieden wir uns, das Leben wieder proaktiv in die Hand zu nehmen und kauften für jeden von uns das Nötigste: einen Teller, eine Gabel, ein Messer etc. Wir kauften auch einen Kochtopf. Mehr war nicht nötig, da wir auch nur eine Herdplatte hatten. Wir reduzierten unser Leben also auf das, was man zum (Über-)Leben braucht.

Nach einiger Zeit, die wir so verbrachten, fühlte es sich für mich fast wie ein Wunder an, denn nach und nach merkte ich, dass es nicht nötig ist, mehr zu besitzen. Nein, im Gegenteil, ein Leben ohne Spül- und Waschmaschine, ohne Staubsauger und diverse andere Elektrogeräte ist möglich. Und es ist nicht nur möglich, sondern auch sehr erleichternd, da es so einfach ist. Ich muss dazu sagen, die Menschen haben hier alle nicht viel, was materiellen Besitz betrifft, aber sie haben sich und die Natur. Und all der Druck, den es mir in meinem bisherigen Leben bereitet hat, für die ganzen wundervollen Dinge, die es in meinem Heimatland gibt, zu arbeiten, fiel auf einmal von mir ab. Drei Teller zu spülen macht viel weniger Arbeit als eine ganze Spülmaschine voller Geschirr ein- und auszuräumen.

 

Nach ca. fünf Wochen bezogen wir unser zweites Apartment. Wir lebten nun auf stattlichen 50qm inklusive unseres Büros, und es kam mir wirklich sehr groß und komfortabel vor. Unglaublich, aber ein Zimmer nutzten wir kaum, da wir uns so daran gewöhnt hatten, alle in einem Bett zu schlafen.

 

Natürlich konnte ich nun auch meinen Koffer mit den Klangschalen auspacken. Als ich die erste Schale in meiner Hand hielt, wurde mir bewusst, wie viel Einfachheit und Klarheit auch in ihrem Klang liegt. Weniger ist mehr, ist eines der wichtigsten Prinzipien, die Peter Hess lehrt. Und genau das konnte und kann ich erfahren, seitdem wir hier leben. Es ist so befreiend zu erleben, mit wie wenig wir Menschen glücklich sein können und was für Trugbildern wir in unserer Wohlstandskultur oft nachlaufen – vielleicht auch einfach, weil es alle so machen…

 

Vielleicht kann es hilfreich sein, sich ab und zu ein wenig Zeit zu nehmen und dem Klang der Stille oder einer Klangschale zu lauschen. Vielleicht erzählt sie dir dann von dem, was wirklich wichtig ist in deinem Leben.

 

Alles Liebe sendet dir

Anna

 

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